Orgelfuß

Der Orgelfuß
 

Der jüngste Blickfang aus dem Bereich der bildenden Kunst begegnet uns in dem seit 2012 an der Orgelempore applizierten Gemälde von Florian Silber. Im Zuge der Installierung der Paulus-Orgel erklärte sich der Künstler dazu bereit, auf diese Weise einen sogenannten Orgelfuß zu kreieren. Das interessante Werk, in dem einander Gegenständlichkeit und Abstraktion durchdringen, ist in der Pfarrgemeinde auf große Resonanz gestoßen.
Mit der Präsenz und der Ästhetik der Orgel vollzieht sich die stimmige Vollendung der architektonischen Konzeption des Kirchenraumes. Silbers Arbeit reagiert auf eben diese Gesamtheit.


Neun Module sind es, die zusammen ein Panorama ergeben, welches das Auge des Betrachters/der Betrachterin einlädt, auf Wanderschaft zu gehen. Dies kommt nicht von Ungefähr, ist Florian Silbers Werk doch vom Reisen inspiriert. Es finden sich darin Impressionen österreichischer sowie – den Spuren des heiligen Paulus folgend – anatolischer Landschaften. Während des Malprozesses kam dem Künstler auch immer wieder die Reise unserer Orgel in den Sinn, die, an ihrem Ziel angelangt, gewissermaßen neuen Atem schöpft und ihre Klangfülle entfaltet. Silber empfindet ihr Erklingen mitunter als „ein Weinen des Himmels“ und übersetzt diese Empfindung in seine Bildsprache, indem er goldene Lackfarbe in und über die Acrylmalerei fließen lässt.


Die Betonung der Senkrechten ist dem Maler generell wichtig. Einerseits bringt er so die Beziehung von Himmel und Erde zum Ausdruck, zum anderen zitiert er damit die an die Gotik gemahnende Orgelarchitektur und verweist auf die Bedeutung des Instruments als „Medium“ zwischen den beiden Sphären.


In der Bildkomposition sind überdies Analogien zu musikalischen Kompositionsmustern und akustischen Diagrammen zu entdecken. Silbers Farbspur folgt gewissermaßen einer Tonspur.


Indem sich die Farben zur Mitte hin sukzessive aufhellen, mehr und mehr Licht in sich tragen, breitet sich über dem Eingangsbereich unserer Kirche auf der Orgelempore „ein Anklang von Erlösung“ aus. – Wo sonst wäre er wohl besser zu vernehmen?

 

Orgelfuß