Pfarrer Edmund Decrinis

Pfarrer Edmund Decrinis

 

26 Jahre – von 1960 bis 1986 – wirkte Edmund Decrinis als Pfarrer Am Schüttel.

06_Edmund_zuhrend.jpgDr. Faustmann im Pfarrblatt vom Dezember 1983: „Edmund Decrinis wurde 1923 als Sohn eines Arztehepaares geboren, studierte anfangs Medizin, doch nach dem Krieg folgte er seiner Berufung. [Er trat 1946, im Gründungsjahr der Pfarre Am Schüttel, ins Priesterseminar ein] und wurde 1951 von Kardinal Dr. Innitzer zum Priester geweiht. Nach einigen Kaplansjahren in Wien und Baden und seiner Tätigkeit als Studienpräfekt im Seminar Hollabrunn wurde er im September 1960 von Kardinal Dr. König zum Pfarrer in unsere Gemeinde bestellt. Gleich zu Beginn seiner Tätigkeit musste er den Neubau der Kirche und des Pfarrhauses bewältigen. Ferner galt es, die Beschlüsse des Konzils in die Tat umzusetzen und in der Gemeinde zu verwirklichen. Mit ganzem Einsatz, oft unter Hintansetzung seiner Gesundheit, widmete er sich der pastoralen Arbeit in unserer Pfarre und war eine Amtsperiode Dechant. [...] Seine verdienstvolle Arbeit findet in der Gemeinde Anerkennung und Zustimmung.“ Es gingen sieben Priester- und Ordensberufungen aus dieser Zeit hervor.


Rückblick auf das Jahr 1946, aus der Predigt beim Auferstehungsgottesdienst für Pfarrer Decrinis am 17. Dezember 1996, gehalten von Prälat Franz Gruber: „Der ärztlichen Tradition in der Familie folgend, hat er nach der glücklichen Heimkehr aus dem Krieg, den er als Sanitätssoldat erlebt hatte, mit dem Studium der Medizin begonnen, von dem hohen Berufsethos erfüllt „dem Leben“ dienen zu wollen, „ein Leben für andere“ auf sich zu nehmen. Da erinnere ich mich noch sehr an unsere erste Begegnung nach dem Krieg. Es war in der Währingerstraße, ich befand mich auf dem Heimweg von der Vorlesung ins Wiener Priesterseminar. Die Freude war groß, vor allem, weil er mich in Seckau schon in seiner ganzen Art, ähnlich wie Georg Rathner, als jüngerer Mitschüler beeindruckt hatte. Damals sagte ich ganz spontan: „Edmund, komm doch zu uns, wir brauchen jetzt nach den großen Verlusten im Krieg – wir waren damals 1946 nur 25 Theologen im ganzen Seminar, vor dem Krieg hatte das Wiener Priesterseminar 150 Theologen – wir brauchen heute Priester viel wichtiger als Mediziner, bei aller Wertschätzung für den uns wohl nächsten Berufsstand, der genau so einer Berufung bedarf wie wir. Besuch mich doch einmal in der Boltzmanngasse 9.“ Was er auch bald tat und nicht viel später zu meiner großen Freude sagte: „Du, ich sattle von der Medizin zur Theologie um und möchte Priester werden.“


Die großen Verluste des Krieges haben uns betroffen aber nicht mutlos gemacht und es wird im Seminar selten eine Zeit gegeben haben, wo Theologen so dankbar, bescheiden und einträchtig in froher Mitbrüderlichkeit zusammen gelebt und studiert haben, einzig vom Verlangen erfüllt, so rasch wie möglich in den seelsorglichen Einsatz zu gelangen, weil wir seine Notwendigkeit, wie kaum eine andere Priestergeneration vor uns, am eigenen Leib erlebt haben. Es scheint mir auch nicht von ungefähr zu sein, dass kein einziger von uns Heimkehrern sein Amt niedergelegt oder sein Priestertum verlassen hätte. Eine Verunsicherung über Notwendigkeit und Amtsverständnis gab es für uns nicht, uns bewegten keine Strukturfragen und wir hatten auch keinen Anlass unser Priestertum zu hinterfragen, wo uns in den letzten Jahren des Krieges und seiner seelischen Not eine Berufung bewusst geworden ist als ein Ruf von Gott, für die Menschen bestellt, um für die Lebenden und Toten Opfer darzubringen und danach zu trachten, nach dem Vorbild des Guten Hirten ihnen gute und treue Hirten zu sein.“


Als Lieblingsplätze und Lieblingstätigkeiten von Pfarrer Decrinis galten die Marienkapelle zur Meditation und Anbetung vor dem Allerheiligsten, das regelmäßige Angelusgebet, jährliche Wallfahrten nach Mariazell, Maria Taferl und Maria Schutz. Sein Tauftag am 8. Dezember und die Weihe des Täuflings an die Gottesmutter haben Pfarrer Decrinis sein Leben lang geprägt. Doch auch bei sportlichen Aktivitäten konnte man ihn erleben: beim Radfahren im Prater, bei Bootsfahrten auf der Alten Donau mit seinen Neffen und Nichten, und Bergtouren mit seiner Schwester Annemarie, trotz eines schweren Bergunfalls am Großglockner.


Seine letzten Jahre waren von schwerer Krankheit geprägt, doch gab es immer wieder auch Zeichen der Besserung – „ Ärzte können sich viel nicht erklären und staunen und sprechen von wunderbaren Umständen“. Über Vermittlung von Weihbischof Krätzl und dessen Schwester erfolgte 1986 die Berufung als Seelsorger und Rektor des Genesungsheimes Mater Salvatoris in Pitten. Pfarrmitglieder halfen bei der Übersiedlung. Hier starb er am 3. Dezember 1996.

Nach Unterlagen von Elisabeth WEHRMANN und Briefen von Sr. Annemarie DECRINIS (Schwestern von Pfarrer Decrinis), zusammengestellt von Susanne Zulinski für die Festschrift „60 Jahre Pfarre Am Schüttel“ 2006.